Bilder verändern Leben

Kevin Carter - Er zerbrach an den Grausamkeiten, die er für uns mit seiner Kamera "einfing"
Kevin Carter - Er zerbrach an den Grausamkeiten, die er für uns mit seiner Kamera "einfing"

Zwölf Jahre ist es her, dass ich dem Fleisch"genuß" abgeschworen habe, weil ich eine ARD-Reportage über Spanferkel-Schlachtung gesehen habe. Fast vier Jahre ist es her, dass keine tierischen Produkte meinen Kühl- oder Kleiderschrank füllen, weil mich Fotos und Filme über die Machenschaften der Milch-u. Lederindustrie entsetzt haben. Und Bio-Sprit kommt nicht in meinen Tank, weil ich ein Foto von einem halb verhungertem brasilianischen Kind gesehen habe, nicht weil ich Angst um mein Auto habe. Denn obwohl Brasilien über so viel Ackerland verfügt, dass alle Einwohner theoretisch satt werden, wird lieber Ethanol hergestellt und das Getreide "durch den Auspuff gejagt" bzw. als Futtermittel exportiert.

 

Es waren also Bilder, die bei mir etwas ausgelöst haben, die mich zum Nachdenken gebracht haben, die mein Leben beeinflusst, sogar verändert haben.

Es waren Bilder, die zeigen, wie schändlich wir mit Mitgeschöpfen umgehen, die zeigen, dass der Überfluss der EINEN gleichzeitig Leiden und Tod der ANDEREN bedeutet. Es waren auch die Bilder, die zeigen, dass wir nur die eine wunderschöne Welt haben/hatten und Bilder, die zeigen, dass uns das eigentlich scheißegal ist.

 

An manchen Tagen denke ich, dass die bluttriefenden Grausamkeiten, manchmal bewegungslos zwischen Raum und Zeit festgehalten, manchmal "lebendig" in Bild und Ton, kaum noch zu überbieten sind. Meistens werde ich aber am nächsten Tag eines Besseren belehrt!

 

Manchmal zerreißen mir diese Bilder fast das Herz, sind schier unerträglich, einfach nicht auszuhalten. Manchmal lassen sie mich nicht schlafen, manchmal begegnen sie mir im Traum.

 

Am Schlimmsten finde ich allerdings, dass diese Bilder in der Regel im Nirwana eines westeuropäischen IchBinSelbstArmDran-Gehirns verschwinden, weil die Präsentation des ach so wichtigen iPhone5 mit aerodynamisch geformter Hülle und Furz-App viel wichtiger ist, als sich anzuschauen, dass Kinder in Afrika im Dreck unserer Arroganz und Ignoranz verrecken.

 

Jedoch:

 

Obwohl ich mir beim Anschauen dieser Bilder tausend Fragen nach dem "Warum, Weshalb, Wieso" gestellt habe, habe ich mir gestern zum ersten Mal die Frage "WER" gestellt...

 

Also, wer steckt hinter den Bildern? Wer erträgt die Grausamkeiten gegen Mensch, Tier und Natur in nächster Nähe, während ich zu Hause, neben dem warmen Ofen mit Freunden über eben diese Grausamkeiten auf diesen Bildern diskutiere.

Wer hat die Kraft dabei zuzusehen und zu filmen, wie Tiere lebendig, wegen ihrem Pelz, gehäutet werden, damit Tussis und Idioten wie Chiara Ohoven und Kid Rock Pelz tragen können? Wer bricht nicht zusammen, wenn ein Kind vor seinen Augen an den Folgen von Unterernährung stirbt? Wer wird nicht wahnsinnig, wenn er filmt, wie Menschen, im Rausch der Lynchjustiz, andere Menschen steinigen oder anzünden? Wer drück dann auf den Auslöser?

 

Sadisten? Masochisten? Skrupellose, geldgeile Menschen? Gewissenlose Selbstdarsteller? Vielleicht trifft das wirklich bei einigen zu...

 

Die meisten dieser Männer und Frauen riskieren jedoch Ihr Leben (physisch und psychisch), bewaffnet mit Kamera und manchmal mit Mikrofon,wenn ihnen die Kugeln in einem Bürgerkrieg um die Ohren fliegen oder wenn sie an Bord der "Arctic Sunrise" Walfänger behindern... wenn sie in einer Schlachtanlage heimlich filmen oder bei einer Steinigung auf den Auslöser drücken... Und ich habe tiefen Respekt vor ihner Arbeit!!!!

 

Stellvertretend für all die Männer und Frauen, die für unsere Informationen ihr Leben riskieren : Kevin Carter

 

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